Orthopädische Praxisgemeinschaft
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Orthopädie und Unfallchirurgie
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Tel. Dr. Kaisser/
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Öffnungszeiten:
Mo – Do 8:00 bis 18:00
Fr 8:00 bis 15:00 Uhr

Dr. Kaisser besuchte den alljährlichen Orthopädenkongress in Baden-Baden im April 2011. Schwerpunkte waren Hüft- und Kniegelenksendoprothetik, sowie Vorfußerkrankungen und die moderne Schmerztherapie.

 

 

Bei den hervorragenden Ergebnissen der wenig traumatisierend-operierten Hüftendoprothesen muss ein neues System wie der Oberflächenersatz des Hüftkopfes sehr kritisch gesehen und wissenschaftlich verfolgt werden. Eine sehr strenge Indikationsstellung bezüglich Alter des Patienten, Wertigkeit des Knochens, Ausmaß der Osteoporose ist zu fordern. Der Hüftkappenersatz wird heute – korrekterweise – wieder sehr kritisch gesehen: für das Ergebnis ist die Auswahl der Patienten von entscheidender Bedeutung. Es gibt viele Zentren, die heute wesentlich weniger Hüftkappenersatzoperationen durchführen, als dies noch vor 5 Jahren der Fall waren.

Kritische Anmerkungen wurden ebenfalls bezüglich extrem kleiner Zugänge gemacht: entsprechend der zahlreichen Vorträge von Dr. Kaisser wurde auch in Baden-Baden wieder bestätigt, dass die wenig traumatisierende Chirurgie sinnvoll ist – extreme miniinvasive Zugänge jedoch keinen Vorteil erbringen – häufig sogar gefährlich sind. So gibt es eine Studie über Revisionsoperationen bei extremer mini-invasiver Vorgehensweise. Hier kam es verfrüht zu Lockerungen der Prothese und zu einer erhöhten Komplikationsrate. Es besteht die Gefahr, dass derartige Innovationen übertrieben werden und eher als Marketingstrategie zu sehen sind – aber für den Patienten keine Verbesserung erbringen.
Ähnlich sieht es mit den so genannten „Gender-Implantaten“ aus (z.B. Frauenknie!). Auch hier sind die Operationsergebnisse nicht besser als bei normalen Implantaten, natürlich unter der Voraussetzung, dass die normalen Implantate in ihrer Größenordnung richtig bemessen sind. Auch ein normales künstliches Kniegelenk nimmt Rücksicht auf die individuellen Messwerte eines Gelenkes, so dass das so genannte „Gender-Implantat“ logischer Weise kein Vorteil mehr erbringen kann. Auch die so genannten „High-flex-Kniegelenke“, wie sie häufig für orientalische Patienten implantiert werden, bringen keine signifikante Verbesserung der OP-Ergebnisse.
Und ähnlich sieht es auf Grund zahlreicher Studien bei der Navigation aus: beim erfahrenen Operateur besteht kein Unterschied in der korrekten Positionierung der Implantate – aber im statistischen Querschnitt verzeichnen sie alle eine verlängerte Operationszeit. Für den Anfänger kann die Navigation ein Hilfsmittel sein, um extreme Abweichungen der korrekten Positionierung der Implantate zu vermeiden.

Die Vergleichsstudien zwischen endoskopischer und mikroskopischer Bandscheibenoperation zeigen ähnlich ernüchternde Ergebnisse: auch hier besteht im Operationsresultat kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen beiden Methoden.

Die Knorpeltransplantation zeigt weitere Fortschritte: moderne Verfahren, so genannte „Sphäroide“ können ohne eine spezielle Träger-Matrix eingebracht und angelagert werden. Die Ergebnisse sind bislang sehr positiv zu sehen. Der große Vorteil dieser Knorpeltransplantationen gegenüber der OATS-Technik besteht in der Tatsache, dass keine Gefahr besteht, in dem Bereich der Knorpelentnahme zusätzliche/erneute Schmerzen zu bewirken.

Fortschritte gibt es in der Diagnostik der Prothesenlockerung. Das so genannte Interleukin-6 hat einen relativ hohen Aussagewert bzgl. fraglichen Lockerungen von Prothesenimplantaten.

Auch in der Schmerztherapie gibt es beim Sudek-Syndrom, heute CRPS Stadium I und Stadium II genannt, erfreuliche medikamentöse Verbesserungen. Gewisse Medikamente, die in den Stoffwechsel eingreifen, müssen jedoch als off-label Medikament appliziert werden, so dass die Bezahlung durch die Krankenkassen in solchen Fällen nicht gewährleistet ist.

Insgesamt war der Baden-Badener Orthopäden- und Unfallchirurgen-Kongress inhaltlich wieder sehr wertvoll und qualitativ als sehr gut anzusehen. Er ist einer der beiden wichtigsten Orthopäden-Kongresse in Deutschland – neben dem alljährlich statt findenden Zentralkongress im Oktober in Berlin.