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Viel wurde auf dem IGOST-Kongress in Düsseldorf-Neuss bezüglich der Leitlinien zur Behandlung des Rückenschmerzes besprochen. In diesen Leitlinien geht es um den „unspezifischen“ Kreuzschmerz, also die Lendenwirbelsäule betreffend. Aus medizinischer und orthopädischer Sicht gibt es jedoch keinen „unspezifischen“ Kreuzschmerz – höchstens einen nicht spezifizierten! Das würde bedeuten, dass die Ursache der Rückenschmerzen nicht bekannt ist. Dies ist aber genau die Aufgabe, die wir als orthopädische Fachärzte und Wirbelsäulenspezialisten haben: die genaue Schmerzursache herauszufinden und eine korrekte Diagnose zu stellen! Und nicht nur ein „unspezifisches Syndrom“ zu benennen!!
Der Lendenwirbelsäulenschmerz kann durch vieles bedingt sein: Veränderungen an den knöchernen Strukturen der Wirbelsäule, Veränderungen an den Bandscheiben, Veränderungen an den neurogenen Strukturen, (wie z. B. verlängertes Rückenmark, Nervenwurzeln), arthrotische Veränderungen der kleinen Wirbelgelenke, Überlastung der kleinen Wirbelgelenke durch hyperlordotische Fehlhaltungen, insgesamte Haltungsschwäche, Muskeldysbalance, Myalgien (lokale oder generalisierte Muskelverspannung). Und bei all diesen Schmerzstörungen, kommt hinzu, dass in den allermeisten Fällen, sowohl motorische, wie auch vegetative Nerven bei der Schmerzleitung und bei der Schmerzwahrnehmung beteiligt sind.
Auch wurde darauf hingewiesen, dass zur Verhinderung von Chronifizierungen bei vorhandenen Schmerzen oder bei geplanten Operationen periphäre Nervenblockaden mit einem Lokalanästhetikum im Sinne einer präemptiven Analgesie durchaus sinnvoll sind. Akute Schmerzen müssen beseitigt werden, damit es nicht zur Chronifizierung kommt. Potenzielle Schmerzen bei Operationen müssen präventiv blockiert werden: ebenfalls, dass es nicht zur Chronifizierung kommt.
Bei jedem Rückenschmerz ist differentialdiagnostisch zu erwägen, ob es sich möglicherweise um eine Infektion, einen Tumor, einen Knochenbruch, einen Nervenkompressionsschaden mit neurologischen Ausfällen, oder um rheumatologische Entzündungen handelt. In vielen Fällen spielen rein degenerative Veränderungen, wie z. B. Arthrose, Spinalkanalstenose, Segmentinstabilitäten …. eine große Rolle.
Durch die heutigen modernen konservativen Behandlungsverfahren wie z.B. Injektionstherapien können 85% der früher notwendig gewordenen Operationen verhindert werden! Dies widerspricht Statistiken verschiedener Krankenkassen, dass die Wirbelsäulenoperationen zugenommen hätten! Möglicherweise werden in solchen Statistiken minimalinvasive percutane Minieingriffe als Operationen gewertet, die natürlich mit den eigentlichen Bandscheiben- und Wirbelsäulenoperationen nicht zu vergleichen sind und viele neue Verfahren dieser Art sind erst in den letzten Jahren entwickelt worden.
Viel Aufmerksamkeit wurde auch der Bedeutung einer rechtzeitigen Diagnose und einer kompetenten Therapie zur Verhinderung weiterer Chronifizierungen beigemessen.
Ein weiteres Thema waren die osteoporotischen Brüche an der Wirbelsäule: zunehmend häufig im Alter und bei weiblichen Personen beobachtet. Neben der konservativen Behandlung kommt für diese Patienten die percutane Injektion von kleinen Zementplomben in den gebrochenen Wirbel in Frage: ebenfalls eine miniinvasive Kleinoperation, die über zwei kleine Stichinzisionen an der Wirbelsäule erfolgen kann. Zwei dünne Sonden werden über Bildwandlerkontrolle in den Wirbelkörper eingeschoben, gegebenenfalls zusätzlich noch ein kleiner Ballon aufgeblasen, um den Wirbelkörper wieder in seine alte Form zurück zubringen, um dann mit Knochenzement ausgefüllt zu werden. Die Erfahrung zeigt, dass die allermeisten Patienten sofort wesentlich beschwerdeerleichtert, wenn nicht sogar schmerzfrei sind. Diejenigen, die diese Operation durchführen, sind von dem Wert und Nutzen, sowie dem raschen Erfolg zu tiefst überzeugt. Alte Patienten können somit sehr schnell nach einem Wirbelkörperbruch mobilisiert und in ihr normales Leben zurück geführt werden. Lange Ruhigstellung oder womöglich Bettlägerigkeit gehört der Vergangenheit an.
Insgesamt waren die beiden Tage ein interessanter und erfolgreicher Kongress, der aufgezeigt hat, dass die Behandlung von bestimmten Wirbelsäulenerkrankungen unter modernen Gesichtspunkten durchaus erfolgreich und zukunftsweisend sein kann. Natürlich ist bei den meisten dieser Erkrankungen die Mitarbeit des Patienten eine wichtige Voraussetzung zum Erfolg.
Dr. med. Peter J. Kaisser
FA für Orthopädie
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