Im Mittelpunkt der Kurse und der Hospitation von Dr. Kaisser stand die neueste Entwicklung in der Hüft- und Kniegelenksendoprothetik (künstliche Gelenke). Wissenschaftler und orthopädische Chirurgen aus allen Teilen der Welt waren bei diesem Treffen anwesend und berichteten über große Erfahrung, sehr gute Ergebnisse und positive Weiterentwicklung der künstlichen Gelenke. In Live-Operationen sowie mit persönlicher Anwesenheit und Assistenz durch Dr. Kaisser in den Operationssälen der Schulthess-Klinik konnten die neuesten Ergebnisse der Operationstechnik und der Implantatentwicklung praktisch demonstriert werden.
Kurze Zusammenfassung der Ergebnisse:
1.) Operationen sollen wenig traumatisierend sein – dies ist „the golden standard“, wie er auch von Dr. Kaisser eingesetzt wird. „Mini-invasiv“ sollte kein „Fetisch“ sein!
Es gilt weiterhin das Motto: So klein wie möglich, jedoch so groß wie nötig.
2.) Die moderne Endoprothetik, neue Operationstechniken sowie kleine operative Zugänge haben zu einer drastischen Verkürzung der postoperativen Liegezeit im Krankenhaus geführt (ca. 8-10 Tage) und ebenso zu einer Verkürzung der postoperativen Rehabilitation. Die implantierten künstlichen Gelenke sind im Normalfall bereits sofort am Tag nach der Operation belastbar. Bei axialer Belastung darf der Patient das volle Körpergewicht auf die eingesetzten Implantate bringen.
3.) Der reine Oberflächenersatz am Hüftgelenk (Hüftkappe) ist bei jungen Patienten mit noch optimaler Knochenstruktur möglich. Langzeitergebnisse hierzu sind jedoch noch nicht vorhanden und müssen abgewartet werden, bevor eine endgültige Beurteilung möglich ist. Gelegentliche Stoffwechselstörungen des Knochens unter der Hüftkappe zwingen bei nicht wenig Patienten zu Zweitoperationen, bei denen dann eine Endoprothese (siehe oben) implantiert werden muss. Insbesondere bleibt abzuwarten, ob diese Zweitoperation noch zu den gleich guten Ergebnissen führt wie eine endoprothetische Versorgung als Erstoperation.
4.) Bis ins hohe Alter und bis hin zur mittelgradigen Osteoporose können die Hüftgelenke zementfrei implantiert werden. Nur relativ selten (auch dies entspricht der Erfahrung von Dr. Kaisser) sind zementierte Hüftprothesen notwendig. Sollte die Zementierung notwendig sein, erreicht man aber auch mit diesen Prothesen sehr gute Behandlungs-ergebnisse. Es gibt gelegentlich allergische und toxikologische Reaktionen auf den Zement. Insbesondere bei Wechseloperationen stellt die Zemententfernung einen zusätzlichen Arbeitsgang dar, bei dem häufig zusätzlich Knochen verloren geht, der das neue knöcherne Lager für die Wechselprothese schwächt. Dies ist der Hauptgrund, warum bevorzugt zementfrei implantiert wird, um im Falle einer Wechseloperation noch ein optimales Knochenlager für die Zweitprothese zu haben.
5.) Bei der Knieprothese (Schlittenendoprothese) wird der Unterschenkelanteil (Tibiaplateau) normalerweise zementiert. Der Oberschenkelanteil (kondylärer Schlitten) kann je nach Knochenzustand zementiert oder zementfrei implantiert werden.
6.) Bzgl. der Kniescheibe besteht die Wahl, die Rückseite mit einem zementierten oder auch zementfreien Implantat zu versorgen oder keinen Ersatz der Kniescheibenrückseite durchzuführen. Statistisch sind die Ergebnisse ähnlich; das Vorgehen muss individuell entschieden werden.
7.) Neueste Entwicklung bei den künstlichen Kniegelenken sind Inlays, die zwischen die Oberschenkel – und Unterschenkelkomponente eingesetzt werden und eine zusätzliche Rotation erlauben. Soweit bis heute überschaubar sind diese „Rotationsinlays“ von Vorteil, da sie geeignet sind, automatisch die individuelle Rotations- Feineinstellung des Kniegelenkes zu ermöglichen.
Die praktische Erfahrung von Dr. Kaisser zeigt, dass diese Rotationsinlays zu einer schnelleren postoperativen Rehabilitation bzw. zu besseren Bewegungsausmaßen führen! Langzeitergebnisse sind abzuwarten. |